Abschlussbericht

Im vorigen Jahr gelang es dem Festival eine neue Dimension seiner internationalen Orientierung zu gewinnen und die Grundlagen einer neuen Tradition zu legen. Neben den stets neuen ausländischen Künstlern, deren Einreihung einer der Dramaturgiepfeiler ist, nutzt das Festival auch die grenznahe Lage der Region, in der es wirkt, und ihre historischen sowie gegenwärtigen Bindungen an bedeutende kulturelle Zentren im benachbarten Sachsen, genauer in der Oberlausitz. Bereits das zweite Jahr kamen auch dank der Förderung des Tschechisch-deutschen Zukunftonds und des Ministeriums für Kultur - der Abteilung für internationale Beziehungen - einige von Höhepunkten des Festivals in Zittau, Großschönau und neulich auch im Zentrum der Oberlausitz - in Bautzen - zustande. Den Konzertbesuchern wurde auch in diesem Jahr der Transport mit dem Festivalbus zu den außerhalb des Festivalherzens - Česká Lípa (Böhmisch Leipa) - organisierten Veranstaltungen gratis ermöglicht und das auch zu den in Deutschland veranstalteten Konzerten.

Die deutsche Konzerttriade eröffnete das Festival am Freitag, den 27. September in Zittau mit dem Pianisten Michal Mašek und seinem Solorezital, das aus Werken der tschechichen sowie der weltberühmten Romantikern - Martinů, Smetana, Chopin, Debussy und Dvořák zusammensetzt war. Mašek gehört zu den interessantesten Pianisten der heutigen Zeit und es wird gesagt, dass jedes von seinen Projekten das Zeichen der Individualität, Einzigartigkeit und Professionalität trägt. Die Weltkritik vergleicht ihn mit Rudolf Firkušný. Er ist einer der wenigen Künstler, der mit dem Musikverlag EMI classics zusammenarbeitet und der zur „Familie“ Steinway Artists gehört.

Das erste Konzert des sächsischen Teiles des 12. Festivals Lípa Musica bot am Freitag, den 27. September die Begegnung mit dem renommierten tschechischen Pianisten der jüngeren Generation, mit Michal Mašek an. Den prachtvollen Saal des Zittauer Rathauses erfüllten unter seinen Fingern Klaviertöne der bunten Palette von Kompositionen der tschechischen sowie der weltberühmten Autoren in seiner wahrlich brillanten Durchführung. Mašek hat auf seinem Konto eine ganze Reihe von interessanten Projekten und Aktivitäten. Und eine davon ist auch die Propagierung des Werkes von Bohuslav Martinů, das er mit Erfolg auf seinem Album in einer nicht traditionellen Verbindung mit dem weniger bekannten bildenden Werk des Komponisten darstellte. Mašek / Martinů ist in der Welt der klassischen Musik sozusagen ein eingelebter Begriff. Es wäre deshalb ein Fehler die Kompositionen von Bohuslav Martinů in der Durchführung von Michal Mašek in sein Zittauer Rezital nicht aufzunehmen. Den Block von Martinů, der aus poetischen, spielerischen und rhythmisch scharfsinnigen Miniaturen zusammengesetzt wurde, die immer leider mehr in der Welt als bei uns bekannt sind, ergänzte noch die stimmungsvolle Komposition Schmetterlinge in den Blumen, der erste Teil seines Klavierzyklus Schmetterlinge und Paradiesvögel. Die Kompositionen von Martinů wechselte Mašek mit der repräsentativen Auswahl aus dem Schaffnen des polnischen Klavierdichters Frédéric Chopin und bot je ein Probestück von seinen berühmten Mazurkas, Scherzos, Notturnos sowie Balladen an. In diesen hoch virtuosen Kompositionen bewies Mašek seine ungewöhnliche Begabung, seine technische Ausstattung und Brillanz sowie Ausdrucksreife. Präzise ließ er das Bechstein-Klavier durch sein Zartgefühl der Pianissimos sowie durch die angemessene Rasanz der Fortissimos in der gefühlvollen Tempoabtönung erklingen. Die Palette der impressionistischen Farben wickelte Mašek weich in der folgenden Komposition von Debussy, im Mädchen mit den flachsblonden Haaren ab. Den Abend schloss der populäre Schlusspunkt wieder aus dem tschechischen Musikvermächtnis ab - die beliebte Humoreske von Dvořák und der Smetanas erdige Furiant. Das fast besetzte Zittauer Rathaus hörte aufmerksam dem farbenreichen Musikstrom zu, den Mašek nur selten unterbrach und zwang so das Publikum zur hohen Konzentration ohne Möglichkeit des Dankapplauses. Um so größere Begeisterung konnte er am Konzertende genießen, wenn dieser hervorragende Pianist die warmen Ovationen des Publikums mit der flotten Ragtimezugabe entlohnte. (Festivalrezension)

Am Donnerstag, den 3. Oktober stellte sich beim Festival der Königgrätzer Kinderchor Jitro mit seinem Chorleiter Jiří Skopal vor. Unter der Begleitung des Pianisten Michal Chrobák stellten die Kinder in der evangelischen Kirche zu Großschönau berühmte Chöre aus dem Schaffen von Bedřich Smetana, Antonín Dvořák, Petr Eben, Otakar Jeremiáš oder César Franck dar.

In der Evangelischen Kirche zu Großschönau trat der hervorragende Königgrätzer Kinderchor in diesem Jahr beim Festival schon zum zweiten Mal auf. Im Querschnitt durch das tschechische und weltweite Chorschaffen und quer durch Jahrhunderte präsentierten sich die Dreißig der besten Jitro- Chorkinder unter der Leitung von Professor Jiří Skopal, einem unserer besten Spezialisten im Bereich des Kinderchorgesangs, und unter der Klavierbegleitung von Michal Chrobák. Das deutsche Publikum fand bereits den Weg zum Festival Lípa Musica und das Programm fasste die besetzte Kirche zu Großschönau ganz. Die ausgezeichnete Durchführung, ähnlich wie in Nový Oldřichov, erfrischte das deutsche Publikum und brachte es in Fluss. Der abschließende Chor mit dem Publikum und insbesondere die Ovationen waren noch stärker als bei uns. (Festivalrezension)

Zur Verknüpfung der alten und zeitgenössischen Musik kam es im Konzertprogramm des renommierten deutschen Vokalensembles Stimmwerck. Dieses sang am Sonntag, den 6. Oktober in Kravaře Lieder der deutschen Renaissance sowie der Moderna Im Himmel frei. Dieses erfolgreiche Regensburger-Münchner Vokalensemble ist durch seine musikalische Forschungstätigkeit bekannt, deren Ergebnis eine ganze Reihe von wertvollen, wiederentdeckenten Kompositionen ist. Neben der alten Musik verzichtet dieses Quartett nicht einmal auf die Pflege um das neue Musikvermächtnis. Und mit beiden von diesen Seiten konnten sich die Zuhörer auch beim Konzert in Kravaře treffen, wo Kompositionen der alten Meister Leonhard Paminger, Ludwig Senfl oder der Zeitgenossen Arvo Pärt oder Max Beckschäfer ertönten.

Das Quartett der hervorragenden deutschen Sänger in der Zusammensetzung ein Kontratenor, zwei Tenöre und ein Basbariton stellte dem Publikum in Kravaře Lieder der deutschen Renaissance und der Moderna im Programm unter dem Titel Himmel frei dar, der von der Motette des Komponisten Caspar Othmayr abgeleitet wird. Das Ensemble Stimmwerck ist auf der tschechischen Szene kein Neulány. Jedes Treffen mit diesem Körper ist jedoch inspirierend nicht nur durch die „handwerkliche“ Qualität, sondern auch durch die entdeckende Dramaturgie. Und nicht anders war es im Fall seines Auftritts. Die intensive Forschungstätigkeit des Körpers ist die Quelle einer riesigen Menge von interessanten meistens Renaissancekompositionen, die jahrhundertelang in Archiven und Bibliotheken unrecht vergessen lagen, und die das Stimmwerck originell ins Konzertleben wieder einführt. Der Mehrwert dieser verdienstvollen Tätigkeit ist darüber hinaus das Suchen der Zusammenhänge und der Brücken in der Richtung dem zeitgenössischen Schaffen zu. Die kontrastiv aufgebaute Dramaturgie, die jedoch nicht selbstzweckmäßig ist, ist durch eine klare einigende inhaltliche Idee geführt und für Zuhörer ist sie attraktiver und auch verdaulicher. Nebeneinander erklingen so Kompositionen der Renaissanceautoren Leonhardo Paminger, Ludwig Senfl, Conrad Rupsch oder der anonymen Autoren und andererseits der zeitgenössischen Schöpfer - Arvo Pärt, Max Beckschäfer oder Sylvan Bussotti. Das Kulturelement ist verstärkt, denn es ist nötig auch den zeitgenössischen Komponisten in die Lichter der Konzertsäle zu helfen. Die meditative geistliche Musik wird hier mit einem witzigen Experiment abgewechselt, der Espirit verschwindet jedoch nicht. Das Ensemble Stimmwerck bleibt darüber hinaus der Erwartung gegenüber auch in der Angemessenheit der Auswahl seines Namens nichts schuldig, weil es wirklich eine Gruppe der gleichstimmenden Instrumente ist. Die Verbindung der drei Lagen der Männerstimmen, die zusammen gut harmonieren, die kein Instrument begleitet, ist wirklich unikat. Die ungewöhnliche Musikbegabung, die Intonationssicherheit, die technische Verlässigkeit sowie die Buntheit, die Ungezwungenheit und die Ausdrucksreife macht aus diesem unauffälligen Männerquartett einen wirklichen Musikschatz, der die Zuhörer in die Hegereie der bis jetzt unbekannten Musik reinzuziehen und mit ihnen unmittelbar die innerlichen Gefühle und Emotionen zu teilen weiß. Das konzentrierte Publikum entlohnte die Leistung des Ensembles mit dem steigernden Applaus sowie mit dem wiederholenden Aufruf „Bravo!“.

(Festivalrezension)

Zu einem Vokalensembleprogramm konnten sich Festivalbesucher auch am 11. Oktober nach Bautzen begeben, wo die erfolgreiche David Ebens Schola Gregoriana Pragensis auftrat und die hier ihr Programm Antica e moderna darstellte. Dieses Programm ist eine Vebindung von zwei Musikwelten, die zwar zeitlich beträchtlich entfernt sind, zugleich aber sehr nahe stehen. Sie haben nämlich eine gemeinsame Botschaft - den Gesang bei einem christlichen Gottesdienst. Der erste Konzertteil ist dem gregorianischen Choral und der frühen Polyphonie gewidmet. Im zweiten Teil ertönte die Suita liturgica von Petr Eben für Monodie und Orgel, die durch die Auswahl von einigen Teilen aus den „Liturgischen Gesängen“ des Autors und durch ihre Ergänzung mit konzertaten Intermezzos entstand.

Am Freitag, den 11. Oktober wurde das sächsische Kapitel diesjährigen 12. Festivals durch das Konzert des beinahe Residenzensembles Schola Gregoriana Pragensis im Herzen der Oberlausitz - in Bautzen - abgeschlossen. Symbolisch trat so im Premierenort ein Ensemble auf, das sogar an der Wiege dieses Festivals stand und das das Festivalpublikum bereits jahrelang begleitet. War im Zeichen der vorgehenden Woche ein Dialog der alten und neuen Musik, dann krönte der Auftritt des Ensembles meisterhaft dieses Thema. Die kontrastiv aufgebaute Dramaturgie des charakteristisch benannten Programms – Antica e moderna – bot die Begegnung mit der Musik des gregorianischen Chorals sowie die Komposition des 20. Jahrhunderts in einem durchdachten Konzept an, dessen Leitthema und logische Verbindung die gleiche Aufgabe oder Funktion war – der Gesang bei einem christlichen Gottesdienst. In der ersten Abendhälfte führte das männliche Sängerseptett unter der Leitung von David Eben die Zuhörer durch einige kirchliche Feiertage und skizzierte auch die Entwicklung des gregorianischen Chorals von der Monodie bis zur Polyphonie. Interessant war ebenfalls die Einreihung von Chorälen, die ihren Ursprung im böhmischen Milieu haben und die den böhmischen Heiligen – Ludmila, Vojtěch und Václav gewidmet waren. Die zweite Programmhälfte wurde dem Werk des Komponisten Petr Eben eingeweiht, dem Vater des Ensemblegründers der Schola Gregoriana Pragensis. Es ertönte seine für einen Chor mit der Orgelbegleitung bestimmte Suita liturgica, die von den Liturgischen Gesängen des Komponisten herausgeht und die die Zuhörer bereits früher in der Durchführung des Kinderchors Jitro hören durften. Das Verbindungselement war nach David Ebens Worten nicht nur die sakrale Thematik, sondern auch die Melodik des gregorianischen Chorals, die in der Komposition seines Vater interessant in die zeitgenössische Musiksprache umgewandelt ist. Eine wichtige Rolle spielten hier auch anspruchsvolle Orgelintermezzos, die der ausgezeichnete Interpret der Ebens Musik Tomáš Thon durchführte. Der ließ das örtliche von der berühmten Bautzener Orgelbaufirma stammende Monumentalinstrument ertönen, das 1985 gebaut wurde und dessen Holzverkleidung an den Baum als Symbol des Stadtwachstums erinnern soll. Einfache, meditative sowie monumentale Gesänge sind als Propria für verschiedene kirchliche Feiertage bestimmt, und überdies in der tschechischen Sprache. Nach der musikalischen Seite fesselte die Zuhörer der reiche moderne Wohlklang sowie die Grenzen des gregorianischen Chorals weit überschreitende Rhythmik, die durch die kultivierte Durchführung von der Schola erhöht wurde. Bereits jahrelang charakterisieren das Ensemble die hohe Vokalqualität, die Bindekraft und die Einheit des Timbres, die vollkommene Diktion sowie die reife Ausdruckweise und das geistliche Erlebnis, was die Schola auch in Bautzen bestätigte. Niedliche, zerbrechliche, zarte Gesänge, brillante ornamentale Passagen sowie mächtige durch wirksame Orgelintermezzos ausgeschmückte Vokalflächen bezauberten das konzentrierte Festivalpublikum und boten nicht nur ein tiefes Musikerlebnis an, sondern auch beruhigende Momente der Selbstreflexion und Meditation. Die Bautzener Premiere fiel bis auf das unfreundliche Wetter ausgezeichnet aus. (Festivalrezension)

Konzerte in Deutschland und in Kravaře besuchten in diesem Jahr 249 Besucher, nach Bautzen und Zittau wurde wieder auch ein Bus aus Česká Lípa und Nový Bor abgefertigt, der 56 Zuhörer mitbrachte.

Alle Konzerte halten wir für sehr erfolgreich, weil sie auf das Publikum, auf die Künstler sowie auf die Repräsentanten der Gaststädte einen sehr guten Eindruck machten. Diese Tatsache bestätigen auch die Rückmeldungen und das Interesse an der Zusammenarbeit am nächsten Festival. Dank dieser Förderung konnte das Festival auch in diesem Jahr seiner internationalen Dimension nachkommen und eine interessante, perspektive und hauptsächlich logische Zusammenarbeit mit der benachbarten Region vertiefen. Die Bedeutung dieser Zusammenarbeit erwähnte bereits der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Prag, Herr J. E. Detlef Lingemann, unter dessen Schirmherrschaft das 12. Festival zustande kam und der auch das Eröffnungskonzert des Festivals besuchte. Unter weitere bedeutenden Konzertgäste gehörten auch Bürgermeister der Stadt Großschönau Herr Frank Peuker oder Herr Götz Müller, Kulturreferent und Dramaturg des Festivals Lausitzer Musiksommer in Bautzen sowie weitere bedeutende Vertreter der Partner und des öffentlichen Lebens.

Die ursprüngliche Absicht gelang es also zu realisieren und es wurden keine grundsätzlichen Änderungen dem Plan gegenüber angenommen.

Die erstattete Abrechnung (die Gesamtkosten) beinhaltet Berechnungen von drei Konzerten in Deutschland und von einem Teil des Konzertes auf der tschechischen Seite, wo deutsche Künstler auftraten, und auch die Posten, die für das ganze Festival gemeinsam sind.

Die Förderung des Tschechisch-deutschen Fonds wurde im Rahmen des gesamten Festivals präsentiert. Es handelt sich insbesondere um Billboards, Plakate, die zweisprachige Broschüre, einen Katalog (an alle Zuhörer und Festivalpartner gratis distribuiert), Flugblätter, Anzeigen in lokalen sowie in republikweiten Medien (Prager Zeitung, Harmonie, Wochenblatt Rundfunk, Parlamentmagazin, Welt der Frau, Magazin Lípa, lokale Periodika der Städte und der Gemeinden, in denen die Konzerte stattfanden, Webportale - z.B. i-noviny.cz und weitere), Festivalwebseiten, Roll-up, Triple Display u.w.