Der festliche Abend im deutschen Festivalherzen

Das deutsche Herz des Festivals – das sächsische Großschönau- wurde am Tag der deutschen Einheit mit Orgelmusik und Gesang erfüllt. In die hiesige Evangelisch-lutherische Kirche brachte Lípa Musica  zusammen mit Irena Chřibková und Roman Janál wieder eine  weitere musikalische Anregung für die Vertiefung der Zusammenarbeit, die die Grenzen überschreitet, und eine deutsch-tschechische Freundschaft entwickelt.

In der zweit größten Kirche in Sachsen, derer Kapazität unglaubliche zwei Tausend Sitzplätze sind, wurden während dem Festival aber leider nicht alle besetzt. Das Konzert lockte auch viele hiesige Einwohner, die gekommen sind, damit sie dem Klang der neuen Orgel zuhören können, die die Kirche aber auch den Ort schmückt. Diese wurde von der ganzen Pfarrei und der hiesigen Einwohner gestiftet, so wurde die alte, ihren Dienst   aufgebende, Orgel durch ein ganz neues Instrument aus der Werkstatt eines Orgelbauers aus Bautzen ersetzt.

Auf diese Orgel spielte Irena Chribková, die unter unsere Besten Organisten gehört, sie begleitete gleichzeitig einen unserer besten Baritonisten Roman Janál bei drei Liedereinheiten. Eine perfekte Dramaturgie bildete einen Bogen vom Barock bis zur Musik der Gegenwart, und die blieb auch, dem schon am Anfang erwähnten, tschechisch-deutschen Dialog nichts schuldig, bei dem auch die brennenden Kapitel der Geschichte räsonierten, dies in der Form einer Eingliederung des Jüdischen Komponisten der unter Druck der historischen Ereignisse von Deutschland in die USA umsiedeln musste.

Den Abend eröffnete das Orgelpräludium von J. S. Bach aus seiner Anfangsphase, auf die die Erste Vokaleinlage folgte. Von Regers Zwölf Bibelliedern, die der starken Spur von Bach folgen, dennoch gleichzeitig schon die neuen Epochen andeuten, wählten die Künstler fünf aus, die der feierlichen Atmosphäre des Abends beitrugen. Aus der Zeit des Barocks wurde der Zuhörer weiter zur Zeit der Romantik übertragen,  die ihn wiederum zum Impressionismus führte. Auf  das Zwischenspiel für Orgel, aus der Feder des französischen  Organisten Guilmante folgten die Vier Gesänge von Brahms, die von den biblischen Texten ausgehen, nach denen natürlich die Biblischen Lieder des Freundes von Brahms Antonín Dvořák folgten. Die vokalinstrumentale Flächen inspirierten den Zuhörer zum nachdenken, und zur stillen Andacht. Zum Schluss folgen noch zwei Werke, die das Konzert umrahmten , Werke der Autoren, die gegen Ihren Willen die Heimat verlassen mussten, dies spiegelte sich dann auch in ihren Werken, wie symbolisch für diesen Abend und für diese Zeit in der wir leben.

Irena Chřibková stellte die neue große Orgel, in ihrer ganzen Schönheit, mit allen ihren so bunten Registern, mit ihrer präziser aufführungsweise, vor. Auch der Baritonist Roman Janál zeigte uns sein Können. Dieser dramaturgisch wertvolle Abend reflektierte den internationalen Dialog, der sich an einer perfekten Interpretation beider Künstler anlehnte, es ist ein weiterer Wegweiser zu einer Freundschaft, die auch schon Jahre das Motto des Festivals ist.