Konzerte in Sachsen

Dieses Jahr bietet das Festival Lípa Musica noch vier Konzerte in Sachsen. Die zentrale Programmidee des Festivals kristallisierte sich heraus, als wir uns bewusst machten, welche Rolle eine kulturelle Institution hat, die in einer Region wirkt, die in der Vergangenheit durch das Aufeinandertreffen von Kulturen geformt und auch verletzt wurde. Die Sudetenfrage ist bis heute eine Herausforderung, die grundlegenden humanitären Werte und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken, freundschaftlichen Dialog, Verständnis und gegenseitigen Respekt zu pflegen. Mit den Mitteln des musikalischen Dialogs und des kulturellen Austauschs entsteht nicht nur eine natürliche Plattform, sondern auch positive Stimuli für die Kultivierung des gesellschaftlichen Dialogs. Und eben darin sieht das Festival am ehesten seine Bestimmung, weshalb es sich vornimmt, in der kommenden Etappe die deutsch-tschechische kulturelle Zusammenarbeit zu stärken und zu vertiefen. Diese Kooperation wird mit fünf Konzerten in Deutschland, mit der Rückkehr nach Bautzen und der Aufnahme von vier Projekten mit deutschen Gästen ins Programm weitergeführt.

Papa Haydn und die Geburt der Symphonie

Franz Joseph Haydn ist ein Komponist, der mehr als andere die Ziele und Erfolge der klassischen Ära genau zum Ausdruck brachte. Sein wohl wichtigster Erfolg war, dass er eine Menge an feinen Arten des einflussreichsten strukturellen Prinzips in der Musikgeschichte entwickelte: seine Vollkommenheit der Form, die Sonate genannt wird, hatte epochale Auswirkungen. In Hunderten instrumentalen Sonaten, Streichquartetts und Sinfonien legte Haydn ein neues Fundament und lieferte anhaltende Modelle. Er war tatsächlich einer der Schöpfer der grundlegenden Gattungen der klassischen Musik und weitere Größen, wie Beethoven, Schubert oder Brahms, ließen sich von ihm inspirieren. Er war aber wohl nicht der einfache und bescheidene „Papa“, wie ihn die Geschichte lange zu schildern pflegte, sondern ein sehr ambitionierter, zielstrebiger, gebildeter Mann, der sich seiner Vorzüge und Werte wohl bewusst war und es schaffte, Schritt für Schritt für sich eine unabhängige und starke Stellung aufzubauen, im Gegensatz zum überstürzten und radikalen Mozart…  Nicht nur seine Werke, sondern auch das Erbe von Händel und Koželuh werden von dem neuen Haydn Ensemble Praga des Fagottisten Martin Petrák vorgestellt.

Mittwoch 3. Oktober, 19.00, Großschönau, Evangelisch – lutherische Kirche

Přemysl Vojta – Waldhorn
Haydn Ensemble
Martin Petrák – künstlerischer Leiter

Georg Friedrich Händel (1685–1759): Rinaldo (Ouvertüre), HWV 7
Georg Friedrich Händel: Concerto Grosso D Dur op.3 Nr.6 für Orgel und Streicher, HWV 317
Joseph Haydn (1732–1809): Konzert D Dur Nr.1 für Waldhorn und Orchester, Hob. VIId:3
Jan Antonín Koželuh (1738–1814): Symphonie A Dur á la française, Turmfalke 1:10
Joseph Haydn: Symphonie Nr. 47 G Dur Palindrome, Hob. I:47

KARTEN

WALDHORNKONZERT

Das tschechische Hornensemble entstand vor zehn Jahren, um an die dreihundertjahrelange Tradition der berühmten böhmischen Hornschule anzuknüpfen. Sie hebt sich im Vergleich mit anderen Schulen in der Welt durch die ausdrucksstarke und einmalige Spieltechnik, insbesondere durch Atmung und einen weichen und singenden Ton des Instrumentes mit etwas Vibrato ab. „Persönlich muss ich an die Methode meines ersten Lehrers, Herrn Karel Křenek, denken, der beim Unterricht auf drei Grundsätze viel Wert legte: Horn muss singen, weil es ein den Möglichkeiten der menschlichen Stimme am nächsten stehende Instrument ist, Horn muss immer kultiviert klingen, es darf nicht schreien, soll aber gleichzeitig ausdrucksstark sein – molto espressivo," sagt Radek Baborák, der künstlerische Garant des Festivals und Leiter des Ensembles. Das Programm des Waldhornkonzertes präsentiert das breite Repertoire des Ensembles von der Musik der Renaissancemeister und der traditionellen Jagdmusik bis zu Bearbeitungen von Chorstücken und originellen gegenwärtigen Kompositionen, auch von dem mit dem diesjährigen Festival verknüpften Komponisten Miloš Bok. Erleben Sie, wie ein ganzes Waldhornorchester in dem größten Zittauer Dom klingt und singt…​

Freitag 5. Oktober, 19.00, Zittau, Johanniskirche

Tschechisches Hornensemble & Radek Baborák
Aleš Bárta – Orgel
Miloš Bok – Dirigent

Domenico Gabrielli (1659–1690): Canzon
Samuel Scheidt (1587–1654): Altes Jahr
Miloš Bok (1968): De Profundis
Camille Saint-Saëns (1835–1921): Romanze
Anton Bruckner (1824–1896): Symphonie č. 9, 1. Satz feierlich, misterioso (D-Moll)

KARTEN

Wundervolle Trompetenspieler

Der neunzehn- und der vierundzwanzigjährige Trompetenspieler aus Třešť,  Vilém und Walter Hofbauer, haben es schon geschafft, mit ihren künstlerischen Leistungen die Musikexperten zu verblüffen und außerordentliche Ergebnisse und Würdigungen zu erreichen. Beide haben auf ihrem Konto unzählige Erfolge. Der jüngere Vilém gewann den ersten Preis im internationalen Wettbewerb Concertino Praga 2014 und wurde darüber hinaus mit seinen 14 Jahren zum historisch jüngsten Laureat dieses Wettbewerbs im Bereich Trompetenspiel. Der ältere Walter spielte schon als Schüler im zweiten Jahrgang die erste Trompete im Orchester des Prager Konservatoriums beim Eröffnungskonzert des Prager Frühlings unter dem Taktstock des Chefdirigenten der Tschechischen Philharmonie Jiří Bělohlávek, der ihn sofort liebgewann und in die Akademie der Tschechischen Philharmonie aufnahm. Viléms Musikinterpretation zeichnet sich durch einen ausdrucksvollen und feinfühligen musikalischen Ausdruck, der sich auf kompromisslose technische Vorbereitung stützt. Ähnlich wie bei Walter verknüpfen sich bei ihm Talent, Fleiß und große Begeisterung für Musik. Das außerordentliche Trompetenduo der Brüder Hofbauer spielt ein Benefizkonzert für den Stiftungsfonds Ozvena (Echo).   

13/10/Schirgiswalde
Benefizkonzert für Stiftungsfond Ozvěna.

​Vilém a Walter Hofbauer – Trompete
Petr Čech – Orgel
Vivaldi | Bach | Gabrielli | Torelli | Widor | Friedman | Eben

Bach-Beethoven-Baborák

Ein weiterer Konzertauftritt des künstlerischen Garanten dieses Festivaljahrgangs, des Hornisten Radek Baborák, führt uns zurück nach Bautzen, wo dieser weltbekannte Musiker gemeinsam mit seinem Orchester Prager Kammersolisten spielen wird. Das durch die Neumannsche Tradition geprägte Streichkammerorchester von fünfzehn einzigartigen Musikanten, welche die Begeisterung, Interpretationsreife und Respekt zur Tradition der tschechischen Streichschule, die Leidenschaft für die Kammermusik, Neugier bei der Entdeckung neuer Musikstücke, spontane Freude aus den gemeinsam geteilten Erlebnissen und vor allem Freundschaft und Kollegialität verbinden, die sich seit den Studienzeiten und durch die gemeinsame Wirkung in anderen Ensembles und Orchestern entwickelte, stellte sich schon im letzten Jahr beim festlichen Abschlusskonzert an der Seite von Adam Plachetka erfolgreich vor. Für dieses Jahr bereitete Radek Baborák mit diesem Ensemble ein kommentiertes Programm für Schüler sowie eine Abendkonzertbegegnung mit Bach, Grieg und Beethoven vor. ​

Das Konzert findet statt in Sorbisches National-Ensemble, 02625 Bautzen, Äußere Lauenstraße 2!

Johann Sebastian Bach (1685-1750): Braniborský koncert č. 3 G dur
Edvard Hagerup Grieg (1843-1907): Z časů Holbergových, suita op. 40
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Smyčcový kvintet C dur, op. 29

Prager Kammersolisten
Radek Baborák – Dirigent

KARTEN