Programm
Ein Wort des Dramaturgen
Im Jahre 2011 eröffnen wir als Jubiläum den 10. Jahrgang des Internationalen Musikfestivals Lípa Musica. Das Festival trug auch nicht den Namen Lípa Musica. Es gehörte jedoch zu Česká Lípa und Martin Prokeš, welcher dem Festival bis heute vorsteht, hob es aus der Erde. Das ehemalige Festival geistlicher Musik erzog das Publikum im weiten Umland Česká Lípas. Es wurde mit der Zeit mutiger, ideenreicher und bekannter. Nun gehört es zu den Spitzenfestivals der tschechischen Festivallandschaft und ist zweifellos eines der am besten vermarkteten Festivals und Musikproduktionen der Tschechischen Republik. Es ist inspiriert von dem bewundernswerten Patriotismus seines Schöpfers. Es wirkt nicht wie eine Geldfabrik für Kultur und das daraus erzielte Geld. Im Gegenteil, mit Gefühl bringt es musikalische Inventionen in entsprechende Räumlichkeiten, vereint die Bedingungen der Orte und kleinen Kirchen mit den Möglichkeiten der Künstler, bringt kleine Ideen, welche dann auf einzigartige Weise eine Atmosphäre des Abends herbeizaubern. Alljährich überrascht das Festival mit etwas Neuem – Konzertorte, Genres, Interpretation. Seine kulturelle Qualität (im weiteren Sinne des Wortes „kulturell“ zu verstehen) überschreitet bei weitem regionale Massstäbe, sofern man überhaupt regionale Werte unter gesamtstaatliche setzen kann.
Der zehnte Jahrgang des Festivals Lípa Musica bedeutet keine entscheidende Wende. In den vergangenen Jahren hat es gezeigt, dass es nicht die Tendenz dazu hat, an Jubiläen zu hängen und sich mit Defenitiva zu begnügen. Das Festival ist in Bewegung, in jedem Jahr geht es in neue Richtungen und Orte. Es steht fest, dass der nächste, zehnte Jahrgang wieder etwas weiter kommt…
Ebenso ist es notwendig den Namen, bewährte Werte und die Vorlieben des Publikums wiederkehrend zu ehren. Aus diesem Grunde bleibt der Hauptkonzertort weiterhin Ceska Lipa, wo die sechs wichtigsten Konzerte werden. Traditionell bleiben die Konzertorte Zahrádky, Kravaře in Böhmen, Jablonné v Podjesštědí oder auch Nový Bor. Dies ist ein Zeugnis für die Verbindung der regionalen Musikliebhaber untereinander, jedoch auch von deren atypischer kulturellen Weisheit.
Die Dramaturgie des zehnten Jahrgangs schreitet erneut in die höchsten künstlerischen Höhen empor und dies in der Person der Sopranistin Eva Urbanová. Man darf die übrigen Künstler jedoch nicht in den Hintergrund drängen, wie da wären Clarinet Factory, der Moskauer Patriarchenchor oder der Pianist Ivo Kahánek. Dies sind Garanten für eine ausgezeichnete Qualität und originelle Programmangebote. Als Gegenpol dazu steht die neue Reihe „Die Region stellt ihre Interpreten vor“. Für die örtlichen Zuhörer ist sie nicht nur gesellschaftlich interessant, jedoch belehrt sie durch das Repertoire, welches mit der Region in Verbindung steht.
Ein Höhepunkt der Serie an Konzerten ist sicherlich der viermalige Auftritt des Moskauer Patriarchenchores. Auch dieser ist durch zwei vorausgegangene Auftritte mit dem Festival Lípa Musica verbunden. Der Erfolg des Chores war für die Organisatoren des Festivals so verpflichtend, dass diese sich getrauten eine solch hohe Zahl an Konzerten dieses Ensembles in das Festival aufzunehmen. Jedes Konzert findet an einem anderen Ort statt und das letzte als emisierendes Projekt in Prag.
Dem Festival fehlt auch eine populäre Reihe nicht, welche durch das Repertoire aus der Autorenwerkstatt der Gebrüder Eben repräsentiert wird. Der Auftritt des Spitzenensembles Clarinet Factory kann in keine Reihe eingereiht werden. Er bewegt sich im Fahrwasser des Bereiches Cross-Over. Das Repertoire, welches klassische geistliche Musik mit dem freien Schaffen, welches für dieses Ensemble so typisch ist, verbindet, erfüllt die Räumlichkeiten der monumentalen Basilika in Jablonné v Podještědí.
Die traditionelle Orientierung des Festivals auf Barockmusik verkörpern die Ensembles Ensemble Inégal und Ensemble Tourbillon, welche eine Garantie für die Kombination eines originellen Programms und höchster Interpretation darstellen.
Hinter der Vorbereitung auf jeden Festivaljahrgangs stehen Mühen, Debatten, nichtrealisierte Gedanken und Anstrengungen. Das Ergebnis wirkt dann jedoch sehr selbstverständlich, souverän und anziehend. Es stellt ein musikalisches Angebot für einen ganzen Herbstmonat vor, auf welches die Region Liberec und das Festivalzentrum Česká Lípa stolz sein können.
PhDr. Lucie Maňourová, Ph.D.




