Musik Mittelalterlicher Klöster

Tiburtina Ensemble
Barbora Kabátková – künstlerische Leiterin,
Margit Übellacker – dulce melos,
Hana Blažíková, Barbora Kabátková – Mittelalter-Harfen

Ego sum homo – musikalische
Visionen der Hildegard von Bingen

Das 12. Jahrhundert ist der markanteste Zeitraum des Mittelalters, in dem alles in Bewegung kommt, eine Zeit voller Umbrüche, Veränderungen, religiöser und institutioneller Revolten, Ausdruck eines Bestrebens, zu den Wurzeln zurückzukehren. Im Rheinland griff Hildegard von Bingen mit fester Hand in die aufblühende Entwicklung ein – als Magister, Äbtissin, Mystikerin, Komponistin, Schriftstellerin und Heilerin. Im heutigen Wortsinn eine Renaissancepersönlichkeit mit überirdischen Visionen und göttlichen Eingebungen, die jedoch zugleich äußerst realistisch und pragmatisch war und ihre eigenen Ansichten zu Kirche und Welt standhaft vertrat. Die meisten ihrer Kompositionen bilden eine eigene musikalische Richtung, die von der einstimmigen Tradition des gregorianischen Chorals inspiriert war, die sich aber gänzlich von der Musik ihrer Zeit unterschied und wo es niemandem gelang daran anzuknüpfen. Die Texte der Gesänge stehen unter dem Einfl uss ihrer mystischen Visionen und zitieren oft das „Lebenslicht,“ das in ihren Visionen zu ihr sprach. Die musikalisch anspruchsvollen melismatischen, oft virtuosen Kompositionen mit riesiger Bandbreite, die die ewige weibliche Frage akzentuieren, werden auf gezupften Saiteninstrumenten (dulce melos) improvisiert begleitet.