PKF - Prague Philharmonia

Ticketpreis: 250 Kč
 

Prager Kammerphilharmonie
Gerhard Oppitz – Klavier
Tomáš Brauner – Dirigent

Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, Op. 73, „Kaiserkonzert“
Antonín Dvořák
Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“

Das Ende krönt das Werk, wie der klassisch antike Ovidius schrieb, und in diesem Sinne ist auch das Programm für den Abschlussabend des Festivals konzipiert. Beide Programmteile, Beethovens „Kaiserkonzert“ für Klavier und Orchester sowie die Dvořáks Symphonie „Aus der Neuen Welt“, bilden einen würdevollen und grandiosen Festivalschlusspunkt.

Beethovens „Kaiserkonzert“ für Klavier und Orchester entstand in einer komplizierten und stürmischen Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Napoleonischen Kriege rüttelten Europa durcheinander, die junge Künstlergeneration schloss sich allmählich der Seite des Widerstands an und unterlag der durchdringenden rebellischen Romantik. Auch in das konservative Wien, wo Musik von Mozart und seinen Zeitgenossen sowie deren Nachfolgern wie eine allgegenwärtige Kulisse nachhallte, drangen Stimmen zur gesellschaftlichen Veränderung durch. In der Musik spiegelte sich deren Auswirkung in der Wandlung schöpferischer Verfahren wider. Obwohl Beethoven Haydns oder Salieris Schüler war, gab er sich nicht mit eingelebten Mustern zufrieden. Er suchte in der Musik Ausdrucksvielfalt und die Möglichkeit, Streit und Konfrontation auszudrücken. Die erhoffte Intensität und das Dramatische fand er in Werken für große Orchester.

Das „Kaiserkonzert“ für Klavier und Orchester Es-Dur ist ein in diesen Intentionen entstandenes Produkt. Das für die Interpretation sowie fürs Anhören anspruchsvolle Stück wurde in der Zeit seiner Aufführung nicht mit großer Begeisterung aufgenommen.

Vielleicht spiegelte es allzu sehr den gesamtgesellschaftlichen Streit, die dramatische internationale Situation wider und beinhaltete revolutionäre Ideen, die die Gesellschaft noch nicht ganz verstand. Jener Streit betraf jedoch nicht nur die Zuhörer. Auch Beethoven ging zu der Zeit, in der das Werk entstand, durch eine schwierige Lebensphase, denn er begann allmählich das Gehör zu verlieren. Sein Genie schlug einen schweren Kampf mit dem unnachsichtigen Schicksal. Dies ist symptomatisch für die kulturgeschichtliche Epoche der Romantik, die sich gerade auf ihren Zug durch Europa vorbereitete. Das Klavierkonzert

Es-Dur sagt vieles über die Zeit seiner Entstehung aus, die es überzeugend beschreibt.

Die Sorglosigkeit des 18. Jahrhunderts ist schon längst vorbei; lyrische Töne machen den Weg für die Autorität militärischer Marschrhythmen frei. Ihre Allgegenwärtigkeit führte infolgedessen die Europäer zu der aktuellen Frage, was für sie wichtiger ist: ob Größe oder Freiheit.

Die Dvořáks Symphonie „Aus der Neuen Welt“, die im zweiten Programmteil des Abends erklingt, entstand neunzig Jahre später in einer ganz anderen Atmosphäre. Dvořák komponierte sie zu Beginn seines Aufenthalts in Amerika. Sie spiegelt seine Eindrücke aus der hektischen Welt des Fortschritts und der Industrialisierung wider, mit denen sich die ursprünglich amerikanische Musik einschließlich negerischer Einflüsse mischt. Gleichzeitig sickern in diese kosmopolitische Symphonie Dvořáks Erinnerungen an die Heimat und Elemente tschechischer Volkslieder durch, die sich mit seinen amerikanischen Impressionen mischen. Auf eine Art ist Dvořáks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ ein Reisetagebuch, das seine Eindrücke summiert. Deren Notentext ist insofern plastisch und verständlich, dass das Werk zu einer der bekanntesten Kompositionen in der Welt der klassischen Musik überhaupt wurde. Dvořáks absolute musikalische Logik macht die Symphonie zu einem vollkommenen Werk, das auch weniger geschulte Zuhörer verstehen. Oftmals führt die Symphonie so manch weltberühmte Orchester auf Podien in der ganzen Welt. Durch ihre Großartigkeit und zugleich Zärtlichkeit bietet gerade dieses Stück die beste Art, sich vom 13. Festival Lípa Musica zu verabschieden.

Die Prager Kammerphilharmonie feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Seit ihrer Gründung wird sie daheim und im Ausland für das Beste gehalten, was die tschechische Kultur zu präsentieren hat. Nach zwei Jahren kehrt dieses hervorragende Orchester diesmal unter der Leitung des Dirigenten, Tomáš Brauner, wieder zurück auf die Festivalbühne.

Dem Orchester mit jungem Antlitz wird Courage, Frische und zugleich beste musikalische Erudition und Perfektionismus nachgesagt. Hochgeschätzt wird seine orchestrale Ausführung der Musik aus der Zeit des Wiener Klassizismus, wohin auch das Ludwig van Beethovens „Kaiserkonzert“ fällt. Zugleich stützt sich jedoch das Repertoire der Prager Kammerphilharmonie auf romantische oder moderne und gegenwärtige Werke. Der Ruhm des jungen Ensembles ist der Grund, weshalb mit ihm führende Weltdirigenten und Interpreten wie Vladimir Ashkenazy, Shlomo Mintz, Plácido Domingo, Mischa Maisky und aus der jüngeren Generation Radek Baborák zusammenarbeiten. In diesem Sinne ist Gerhard Oppitz ein weiterer ehrenwerter Gast des Orchesters und des Festivals.

Der Dirigent Tomáš Brauner ist trotz seines jungen Alters einer der gefragtesten tschechischen Dirigenten. Seine Arbeit verzeichnet Erfolge bei Opern- und Symphonieaufführungen. Dem Dirigierstudium widmete er sich an der Prager Akademie der musischen Künste, an der er im Jahre 2005 promovierte. Anschließend vertiefte er seine Ausbildung in Wien. Im Jahre 2010 wurde er Laureat des Internationalen Dirigentenwettbewerb „Dimitris Mitropoulos“ in Athen. Tomáš Brauner leistet bedeutende Arbeit auf den Opernbühnen Tschechiens und arbeitet bei uns regelmäßig mit den größten Orchestern zusammen. Er ist auch im Ausland gefragt und führte Werke tschechischer Autoren bereits in Deutschland, Russland oder Mexiko auf, wo er die Aufführung Janáčeks Oper Jenůfa dirigierte.

Gerhard Oppitz wurde 1953 im bayerischen Frauenau geboren. Dem Klavierspiel widmet er sich seit seinem fünften Lebensjahr. Mit elf Jahren begann er, zu konzertieren. Zu Beginn der 70er Jahre studierte Oppitz in Stuttgart, und einige Jahre später schrieb er sich in die Meisterkurse von Hugo Steurers in München ein. Seit Ende der 70er Jahre begann seine triumphale Reise auf die Weltpodien, deren Ouvertüre sich im Jahre 1977 in Tel Aviv abspielte, wo Oppitz im Arthur-Rubinstein-Wettbewerb siegte, in dem Rubinstein selbst in der Jury saß. Dies verschaffte Oppitz den Ruhm, der ihm Konzertauftritte in der ganzen Welt ebnete. Namenhafte Dirigenten und Orchester arbeiten mit ihm zusammen. Oppitzs Musikregister ist sehr breit. Den größten Platz räumt er den Zyklen für Soloklavier von Bach, Mozart, Schubert, den Beethovensonaten und besonders dem gesamten Werk von Brahms ein. 

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