Horní Police, Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung

Die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung (tschechisch Kostel Navštívení Panny Marie) liegt in Horní Police im Okres Česká Lípa in der Reichenberger Region (Liberecký kraj). Sie gehört zum Vikariat Česká Lípa in der Diözese Leitmeritz. Die Wallfahrt nach Oberpolitz existiert bereits seit dem Jahr 1523. Die heutigen Gebäude auf dem Wallfahrtsareal (Kirche, Kreuzgang, Glockenturm und Dekanatsgebäude) stammen aus dem 18. Jahrhundert. Das gesamte Areal steht als nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik unter Denkmalschutz.

Die erste Kirche in Oberpolitz wird in einer Urkunde des Prämonstratenserklosters Doxan aus dem Jahre 1291 erwähnt. Das heutige Aussehen der Kirche und der angrenzenden Gebäude entstand in den Jahren 1689–1725 unter der Herrschaft von Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg (1641–1689) und seiner Tochter Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg (1672–1741), Großherzogin der Toskana.

Da im Jahre 1682 etwa 4000 Pilger die alte Wallfahrtskirche besuchten, stellte Pfarrer Michael Gabriel Jantsch den Antrag, die Kirche zu erweitern. Der Auftrag zum Bau einer neuen Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung erfolgte im Jahre 1684 durch den Leitmeritzer Bischofs Jaroslaw Ignaz von Sternberg (1641–1709). Die Bauausführung lag in den Händen von Giulio Broggio (1628–1718) und seines Sohns Octavio Broggio (1670–1742). Die barocke Kirche ist ein dreischiffiger Bau, umgeben von einem dreiflügeligen Kreuzgang mit Kapellen und Altären. Im Jahre 1861 wurde die Kirche auf Anregung von Kaiser Ferdinand renoviert.

Anna Maria Franziska von Sachsen-Lauenburg hat immer versucht, den Glanz und das Ansehen der Wallfahrt zu erhöhen. Auf ihre Bitte hin ernannte Papst Clemens XII. 1736 die Pfarrer der Wallfahrtskirche in Oberpolitz zu Erzdechanten (auch Archidiakone oder Erzdiakone) und ähnlich dem Abt eines Klosters mit dem Recht des Infuls, das heißt des Tragens der Pontifikalien eines Bischofs (Mitra und Bischofsstab) während der Messe ausgestattet. Heute ist dieses Vorrecht der Archidiakone suspendiert.[1]

Die Pfarrer und seit 1736 die Erzdechanten wohnten im Dekanatsgebäude (Erzdekanat) von Oberpolitz. Der bekannteste war der volkstümliche Priester Wenzel Hocke, auch „Hockewanzel“ genannt, der dort von 1779 bis 1808 wirkte[2]. Seit 1908 steht ein Gedenkstein am Weg zur Kirche an der Stelle, wo der Erzdechant Hocke an einem Schlaganfall verstarb. In der Ehrenhalle des Erzdekanats hängen elf Porträts der fünfzehn Archidiakone, außerdem ist dort das Porträt der Großherzogin der Toskana, Anna Maria Franziska mit ihrem Mann und ihrer Tochter zu sehen.

Nach einer Legende wurde im Jahre 1523 eine Holzstatue der Jungfrau Maria am Ufer des Flusses Polzen (Ploučnice) angeschwemmt. Die Bewohner des Ortes brachten die Statue in die ursprüngliche gotische Pfarrkirche. Daraufhin kamen Pilger zum Hauptaltar mit der Marienstatue, dies war der Ursprung der Wallfahrtsstätte in Oberpolitz.

Das Gnadenbild von Oberpolitz, die „Mater gravida“ oder „Schwangere Madonna“ bzw. „Panna Maria in der Hoffnung“, ist eine etwa 75 cm große Marienstatue. Es ist keine künstlerisch besonders wertvolle Arbeit, wohl eher die eines Laien-Holzschnitzers. Heute ist die Statue in der Kirche mit Kleidern „angezogen“ zu sehen. Diese Kleider wechseln entsprechend dem Kirchenkalender. Später wurden mehrere Kopien der Statue hergestellt, z. B. die Marienstatue an der Brücke in Oberpolitz (1722). Nach der Fertigstellung und Weihe des neuen Wallfahrtsareals kamen im Jahr 1724 zu Mariä Heimsuchung etwa 35.000 Pilger. Von 1730 bis 1760 war Oberpolitz neben Mariaschein (Bohosudov) der meistbesuchte Wallfahrtsort in Nordböhmen.

Derzeit findet die Hauptwallfahrt in Oberpolitz jeweils am ersten Sonntag im Juli (Mariä Heimsuchung am 2. Juli) statt. Außerdem gibt es auch regelmäßig stattfindende „kleine Pilgerfahrten“ jeweils am ersten Samstag des Monats.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wallfahrtskirche_Horn%C3%AD_Police