IMF Lípa Musica 2022

Das Internationale Musikfestival Lípa Musica will 2022 schon im zehnten Jahr seine Verankerung im benachbarten Sachsen bestätigen, wo es in Oybin, St. Marienthal und Großschönau-Waltersdorf präsent sein wird. Der kulturelle Dialog, den das Festival seit seiner Gründung zwischen den beteiligten Spielstätten auf nationaler und internationaler Ebene entwickelt, trägt dazu bei, dass das Interesse von Städten und Gemeinden wächst, selbst zu einem Veranstaltungsort zu werden, was aber aus Kapazitätsgründen nicht mehr in voller Breite möglich sein wird. Aufgabe des veranstaltenden Vereins ist auch die Entwicklung der Vereinskooperation auf tschechischer und internationaler Ebene. Als Beispiel sei die Unterstützung der Veranstaltungen durch künstlerische Vereine in der Heimatstadt Česká Lípa genannt, aber auch die langjährige Entwicklung der Kooperation mit den Lausitzer Sorben und ihren kulturellen Vereinen im sächsischen Bautzen. Erfreulich ist der Fakt, dass das Festival in wachsendem Maße und überregional in die Kulturkalender des Publikums aufgenommen wird. Das Festivalpublikum kommt sogar aus weiter entfernten Gebieten, selbst aus Prag. Die Anziehungskraft der attraktiven Musikereignisse lockt zudem auch eine wachsende Zahl von Deutschen in die tschechischen Veranstaltungsorte. Diesen Trend unterstützt das Festival langfristig, indem für die Festivalbesucher Sonderbusse organisiert werden, wobei der symbolische Fahrpreis weit unter dem liegt, was die Besucher sonst „auf eigener Achse“ aufwenden müssten. Unter dem Aspekt der Verankerung des Festivals nicht nur in der tschechischen Kulturszene sondern gerade auch im Grenzgebiet sehen wir eine künftige Schlüsselrolle des Projekts nicht nur in der Entwicklung und Bereicherung des kulturellen Lebens der betroffenen Gebiete, sondern vor allem darin zum Nachdenken, zu Dialog und Kooperation anzuregen und Träger der Idee vom gegenseitigen Verstehen, harmonischen Zusammenleben und Freundschaft zu sein.

Die Dramaturgie des Festivals Lípa Musica arbeitete in den letzten Jahren mit tragfähigen Themen, die sich dann auf die gesamte Programmgestaltung des Festivals auswirken. Für das nächste Jahr ist der tragende Gedanke des Festivals die Apotheose der menschlichen Stimme und der Schwerpunkt liegt in der Präsentation der Vokalkunst in verschiedenen Formen unter dem Motto „Gesang als Spiegel der menschlichen Seele“ und selbstverständlich auch in der Betonung des deutsch-tschechischen Dialogs als einer langjährigen zentralen dramaturgischen Linie des Festivals. Ein wichtiges Thema wird auch die Rückkehr zu den Wurzeln des Festivals sein, seine Basis in der geistlichen Musik und zugleich auch die Unterstützung der besten tschechischen Interpreten in der gegenwärtig schwierigen aktuellen Lage. Wie schon erwähnt ist der rote Faden der Festivaldramaturgie im Wesentlichen von Beginn an die Problematik des tschechisch-deutschen Dialogs und die Aufführung von zentralen aber auch weniger gespielten Werken der tschechischen und weltweiten Musikliteratur in ausgezeichneter Interpretation. Zum ersten Programmimperativ gehört nicht nur der Auftritt deutscher Interpreten auf tschechischer Seite und der Export tschechischer Musik auf die deutsche Seite.

Auf der sächsischen Seite stellen sich 2022 neben der künstlerischen Garantin Hana Blažíková und dem erwähnten Projekt Cantigas de Santa Maria weiter der Knabenchor Boni Pueri und das Ensemble Inégal vor. Das Projekt mit dem erfolgreichen Knabenchor Boni Pueri führt in Oybin eine einmalige Interpretation des Requiem von Leopold Hofmann auf, des Kapellmeisters am Dom St. Stephan, aus der Zeit, als der junge Wolfgang Amadeus Mozart sein Assistent war. Im Einklang mit dem weiteren dramaturgischen Festivalschwerpunkt, Dramaturgie und Aufführungspraxis weniger bekannter Titel der Musikliteratur zu entdecken, stellt das Projekt für Großschönau-Waltersdorf zu Unrecht vergessene Hymnen für Chor, Soli und Kammerorchester „Chandos Anthems“ von Georg Friedrich Händel vor. Die Aufführung dieses Projektes ist außerdem auch durch die Kooperation zwischen Festivals in der Tschechischen Republik einmalig. Das Ensemble wird auf vier tschechischen Festivals jeweils drei von insgesamt zwölf Hymnen aufführen. Auf der tschechischen Seite präsentiert das IMF Lípa Musica eine Reihe einheimischer und ausländischen Künstler, z. B. den deutschen Pianist und Cembalist Andreas Staier, die deutschen Meisterinnen der Viola da Gamba Hille und Marthe Perl, den Bassisten und Lautenist Joel Frederiksen oder das Ensemble Philharmonix, in dem

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